Asthma
Therapie

Bei Asthma kann es in jedem Lebensalter zu spontanen Besserungen kommen. Bei etwa der Hälfte der Kinder und bei ca. 20 Prozent der erwachsenen Patienten klingt die Erkrankung spontan ab. Mit einer frühzeitigen individuellen Therapie steigt die Wahrscheinlichkeit, die Krankheitssymptome langfristig unter Kontrolle zu halten, allerding muss in der Mehrzahl der Fälle eine lebenslange Therapie erfolgen.

 

Die Ziele jeder Asthmatherapie werden in Deutschland durch nationale Leitlinien definiert, woraus sich entsprechende Therapieempfehlungen ableiten:

  • Vermeidung bzw. Vorbeugung von akuten und chronischen Krankheitserscheinungen
  • Erreichen der bestmöglichen Lungenfunktion
  • Verminderung der Atemwegs-Überempfindlichkeit
  • Vermeidung krankheitsbedingter Beeinträchtigung im Alltag
  • Verminderung der Gefahr der geistigen und körperlichen Fehlentwicklung bei Kindern
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Vermeidung von Komplikationen und Folgeschäden
  • Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen der Therapie
  • Senkung des Risikos, an Asthma zu sterben

 

Asthmakontrolle
Das Erreichen dieser Ziele hängt im Wesentlichen von einer optimalen Asthmakontrolle ab – das heißt, der Patient hat weniger asthmatische Beschwerden und ist in seiner Alltagsaktivität nur wenig oder überhaupt nicht eingeschränkt. Zu dieser Asthmakontrolle können die Patienten ganz wesentlich beitragen.
Die folgenden Fragen sollte sich jeder Asthmapatient regelmäßig stellen, um sich klar zu machen, ob das Asthma unter Kontrolle ist:

 

Hatten Sie in den letzten Wochen … Nein Ja
... mehr als 2x/Woche Symptome tagsüber? 0 1
... irgendein nächtliches Erwachen wegen Asthma? 0 1
... den Bedarfsinhalator mehr als 2x/Woche gebraucht? 0 1
... Irgendeine Aktivitätseinschränkung wegen Asthma? 0 1
Gut kontrolliert:
0 Punkte
Teilweise kontrolliert:
1-2 Punkte
Unkontrolliert:
3-4 Punkte
Die jeweils erreichte Punktzahl gibt Auskunft über das Maß der Asthmakontrolle, die dem Arzt wesentliche Anhaltspunkte für eine eventuelle Therapieanpassung gibt. Deshalb sollte jeder Asthma-Patient ein Asthmatagebuch führen, damit auch die subjektiven Empfindungen des Patienten in die Bewertung der Asthmakontrolle einfließen können.
Medikamentöse Therapie

Medikamentöse Therapie
Bei der medikamentösen Asthma-Therapie stehen die Behandlung der chronischen Entzündung und die Erweiterung der Atemwege im Fokus. Dafür stehen Bedarfs- und Langzeitmedikamente zur Verfügung, die meistens inhaliert werden. Die Inhalation hat den Vorteil, dass die Wirkstoffe direkt und in optimaler Konzentration an ihren Wirkort, die Atemwege, gelangen.

Bedarfsmedikamente (Reliever)
Zur Beseitigung der Atemwegsverengung erhalten die Patienten so genannte Bronchodilatatoren. Diese Medikamente entspannen die Muskulatur in den Bronchien und können so die Atemwege erweitern. Manche Bronchodilatatoren wirken besonders schnell innerhalb weniger Minuten, haben aber eine relativ kurze Wirkdauer (ca. 4-6 Stunden), andere wiederum wirken nicht so schnell, dafür aber wesentlich länger.

Langzeitmedikamente (Controller)
Bei vielen Patienten ist die Schleimhaut der Atemwege so stark entzündet, dass sie auf Reize sehr schnell mit einer Atemwegsverengung und den typischen Asthma-Symptomen wie Atemnot und Husten reagieren. Hier reichen Bedarfsmedikamente oft nicht mehr aus und der Arzt muss auf Langzeitmedikamente umstellen. Diese Medikamente bekämpfen die Entzündung und stabilisieren bzw. verbessern langfristig die Lungenfunktion. Wichtigste Wirkstoffgruppe sind die inhalativen Kortikosteroide (ICS), die häufig auch „Kortisonpräparate“ genannt werden. Oft kommen die so genannten Kombinationspräparate zur Anwendung. Sie bestehen aus zwei unterschiedlichen Wirkstoffen, einem ICS und einem langwirksamen Bronchodilatator. Bei diesen Medikamenten werden die antientzündliche und die atemwegserweiternde Wirkung kombiniert.
Viele Patienten haben Angst vor der Therapie mit Kortikoiden. Sie fürchten sich vor Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder dem sogenannten „Vollmondgesicht“. Diese Bedenken sind bei der empfohlenen Dosierung und beim Inhalieren des Wirkstoffs aber nicht zu befürchten, da der Wirkstoff direkt dorthin gelangt, wo er gebraucht wird und nicht in den Körper aufgenommen wird.
Außerdem werden viel geringere Dosierungen verwendet als bei der Therapie mit Tabletten.

Biologika
Bei schwerem allergischenAsthma, wenn die Standardtherapie nicht mehr ausreicht, werden als zusätzliche Behandlungsoption die so genannten Biologika eingesetzt. Das sind verschiedene Antikörper, die die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen hemmen und in bestimmten Fällen eine sinnvolle Ergänzung zur Standardtherapie darstellen.

Inhalation der Asthmamedikamente
Da es sich bei Asthma um eine Erkrankung der Atemwege handelt, ist es sinnvoll, die Medikamente zu inhalieren, damit sie direkt an ihren Bestimmungsort im Körper gelangen, wo sie dann sofort ihre Wirkung entfalten können. So gelangen die Medikamente nur in sehr geringem Maße in den Blutkreislauf und verursachen weniger Nebenwirkungen. Zusätzlich kann dadurch auch die Dosis recht niedrig sein. Zur Einnahme dieser Medikamente gibt es verschiedene Inhalationssysteme, die auch unterschiedlich gehandhabt werden. Am weitesten verbreitet sind Dosierarosole und Pulverinhalatoren.

Anwendung eines Dosieraerosols
Ein Dosieraerosol ist ein mit Treibgas betriebenes Dosiergerät, mit dessen Hilfe der enthaltene Wirkstoff eingeatmet wird. Es gibt verschiedene Dosieraerosole, deren Anwendung im Prinzip immer gleich ist:
Entfernen Sie die Schutzkappe vom Mundstück und vergewissern Sie sich, dass das Mundstück sauber ist. Das Dosieraerosol sollte vor jedem Sprühstoß geschüttelt werden.
Aufrecht hinsetzen oder hinstellen. Atmen Sie langsam und tief aus, wie es Ihnen möglich und angenehm ist. Dosieraerosol senkrecht halten, Mundstück in den Mund nehmen und mit den Lippen umschließen.
Dosieraerosol mit dem Daumen an der Basis des Mundstücks und mit dem Zeigefinger festhalten. Langsam und tief durch den Mund einatmen und dabei zu Beginn der Einatmung den Wirkstoffbehälter nach unten drücken, um einen Sprühstoß auszulösen. Atmen Sie weiter gleichmäßig und tief ein (ca. 4 – 5 Sekunden).
Atem so lange anhalten, wie es angenehm ist und dabei das Dosieraerosol aus dem Mund nehmen. Atmen Sie nicht in das Mundstück aus.

Der Spacer
Bei der Nutzung eines Dosieraerosols müssen das Auslösen eines Sprühstoßes und die Einatmung gleichzeitig erfolgen.
Manchen Menschen fällt das schwer, und besonders Kindern gelingt es oft nicht.
Für die Benutzung eines Dosieraerosols gibt es daher eine Inhalationshilfe, den so genannten „Spacer“. Der Spacer erleichtert der Abstimmung zwischen Einatmung und Auslösung des Sprühstoßes, denn bei Verwendung eines Spacers wird zunächst der Sprühstoß in den Spacer abgegeben, danach wird aus dem Spacer eingeatmet. Zusätzlich verhindert der Spacer, dass der Sprühstoß einen zu starken Reiz im Rachen auslöst, der manche Menschen stört. Es gibt verschiedene Spacer-Modelle, und nicht jeder Spacer passt zu jedem Dosieraerosol. Darauf muss bei der Verordnung geachtet werden.

Anwendung eines atemzuggesteuerten Dosieraerosols
Bei einem klassischen Dosieraerosol müssen Auslösen und Einatmen genau koordiniert werden, denn das Auslösen des Sprühstoßes per Fingerdruck und das Einatmen müssen gleichzeitig erfolgen.
Bei atemzuggesteuerten Dosieraerosolen ist keine Koordination notwendig. Bei diesen Inhalatoren wird der Sprühstoß durch den Einatemvorgang des Patienten freigesetzt. Die Atemkraft, die dafür benötigt wird, ist in der Regel gering, so dass schon leichtes Einatmen genügt, um den aktiven Sprühstoß auszulösen.

Pulverinhalators

Anwendung eines Pulverinhalators
Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Pulverinhalatoren. Alle Pulverinhalatoren enthalten den Wirkstoff als feines Pulver, das ohne die Hilfe eines Treibgases inhaliert werden kann. Die kleinen Wirkstoffteilchen sind an einen Träger (Lactose) gebunden. Durch den Luftstrom bei der Einatmung werden die Teilchen vom Träger und voneinander getrennt, sodass feine, lungengängige Partikel entstehen, die während der Einatmung in die Atemwege aufgenommen
werden. Um genügend Wirkstoff in die Atemwege aufzunehmen, muss beim Einatmen ein bestimmter Luftfluss (Atemstromstärke) erreicht und eine Mindest-Luftmenge eingeatmet werden. Eine genügend große Atemstromstärke ist bei der Pulverinhalation deshalb entscheidend. Ist die Atemstromstärke nicht ausreichend, gelangen die Wirkstoffteilchen nur unvollständig oder gar nicht in die Bronchien.
Ist die Lungenfunktion im Asthmaanfall oder bei schwerer Erkrankung stark eingeschränkt, kann es schwierig sein, die nötige Kraft beim Einatmen aufzubringen. Auch bei kleinen Kindern reicht der Luftstrom im Allgemeinen nicht aus, um den Pulverinhalator korrekt anzuwenden und ausreichend Wirkstoff in die Atemwege zu transportieren.
Eine Koordination von Einatmung und Freisetzung des Wirkstoffs wie bei Dosieraerosolen ist bei Pulverinhalatoren nicht notwendig.
Es gibt eine Reihe von Pulverinhalatoren, die sich in der Anwendung voneinander unterscheiden.

Für alle Pulverinhalatoren gelten aber folgende Schritte bei der Anwendung:
Zunächst normal ausatmen. Das Mundstück dicht mit den Lippen umschließen. Schnell, kräftig und tief einatmen.
Die Luft so lange anhalten, wie es angenehm ist. Den Pulverinhalator aus dem Mund nehmen und ausatmen.
Bei Pulverinhalatoren ist es besonders wichtig, dass der Patient nicht in das Gerät hinein atmet und den Inhalator generell vor Feuchtigkeit schützt. Ansonsten verklumpt das Pulver und der Patient kann es nicht mehr inhalieren.